100 Jahre Frauenwahlrecht – und wir weichen kein Stück zurück.

Im Gegenteil. Wir fordern weiter und wir wollen mehr. Wir wollen Macht, wir wollen politische Macht, wir wollen finanzielle Macht, wir wollen Entscheidungsmacht und absolute selbstbestimmte Handlungsfreiheit und -hoheit in unseren eigenen Entscheidungen, Selbstbestimmung über unsere Körper und unsere Reproduktionsorgane.

Der Angriff auf das Abtreibungsrecht war mit dieser reaktionären ReGIERung früher oder später zu erwarten. Zählt das Weib doch nur als Brutstätte des nachkommenden Brutto-Sozialprodukts. Mancher Mann meint ob seiner ‚Objektivität‘ – da er keine Kinder bekommen kann – stehe ihm das alleinige Entscheidungsmonopol zu (!). Frauen sind ja viel zu emotional, hysterisch und können in dieser Lage keine vernünftige Entscheidung treffen. Diese selbsternannten ‚Retter des Lebens‘ aberkennen das Leben der Frau. Als Reproduktionsmaschine hast du kein eigenes Leben zu führen oder zu wünschen.

Die Sorge um die Reproduktionsfähigkeit war seit dem 19. Jahrhundert die dominanteste Argumentation gegen eine Teilhabe von Frauen im Sport. Es galt als unästhetisch, vermännlichend und medizinisch bedenklich – wegen der möglichen Unfruchtbarkeit. Interessanterweise forderte zuvor im Jahre 1762 der Pädagoge Rousseau genau das Gegenteil, nämlich die körperliche Ertüchtigung der Frauen, damit sie kräftigen Nachwuchs zur Welt bringen.

Doch aller Hürden zum Trotz erkämpften sich die Frauen mühsam ihren Zugang zum Sport und zu Wettkämpfen. Bei den Olympischen Spielen 1932 triumphierte Ellen Müller-Preis als Österreichs bisher einzige Fecht-Olympiasiegerin. 1949 wurde sie als 1. SportlerIN des Jahres geehrt. In ihrer unglaublichen Laufbahn gewann sie neben Gold noch 2 olympische Bronzemedaillen, 3 WM-Titel, 8 weitere WM-Medaillen und 21 nationale MeisterInnentitel. Im Alter von 44 Jahren erreichte sie noch das Olympische Finale. Im Anschluss an ihre Karriere unterrichtet sie u. a. Bühnenfechten am Max Reinhardt Seminar für eine ziemlich bekannte Schar an SchauspielerInnen und Kunstschaffenden.

Einer anderen Fechterin, Elisabeth Knechtl, die 1993 die Gesamtwertung im Weltcup gewann, wurde bei Olympia 1996 in Atlanta die Chance genommen, eine Goldmedaille im Degen zu erkämpfen, weil der Platz vom ÖOC für einen Funktionär (!) benötigt wurde. Passt zu den seit 2015 neu bestehenden OÖ Schnapser-Regeln: Bauer sticht Frau bzw. männlicher Funktionär sticht weibliche Olympiamedaillenhoffnung! Ach ja, freundlicherweise wurde das ganze ca. eine Woche vor Abflug per Telegramm (!) mitgeteilt.

Seit 1984 organisiert die APA die Wahl zum Fußballer des Jahres. 34 Jahre später wurde nun endlich die 1. Fußballerin des Jahres gewählt. Sarah Zadrazil. Mittelfeldspielerin im Österreichischen Nationalteam und bei Turbine Potsdam in D.

Das bedeutendste Filmfestival Deutschlands, die Berlinale, stand dieses Jahr im Fokus der FilmemacherINNEN. Von der Berliner Tagespost als „Festival der Frauen“ tituliert. Prinzipiell find ich das super, aber was heißt das konkret? 100% Frauenfilme, Filme von Frauen oder Filme über Frauen?! Nein, aber immerhin sind 7 der 17 Wettbewerbsfilme von Regisseurinnen (von 21% auf 42%), auf insgesamt 400 Filme kommen 191 Regisseurinnen (47,75%). Diese Quoten sind unglaublich im Vergleich zu anderen Filmfestivals. Der scheidende Festivalleiter hat trotz alledem ein Gleichstellungsversprechen nach dem französischen Vorbild „5050 en 2020“ unterzeichnet. Damit verpflichtet sich die Berlinale, die Leitungen und Auswahlgremien paritätisch zu besetzen und Transparenz bzgl. der Geschlechterverteilung bei Filmeinreichungen und -auswahl zu gewährleisten. Eine Konsequenz dieser filmischen Frauenförderung sind die vielen wunderschönen vielfältigen, starken Frauenbilder, die immer mehr auf der Leinwand zu sehen sind. JUHUUU!!

In dasselbe Horn bläst das Mission Statement von FC Gloria*. Filme von Frauen zeigen den Blick von Frauen auf die Welt und fördern so das weibliche Selbstverständnis. In diesem Sinne freue ich mich schon auf Sabine Derflingers Dokumentation über Johanna Dohnal: Wir wollen die Hälfte vom Kuchen!

 

!!! FRAUEN*STREIK am WFT 8. März 2019 – in Österreich und weltweit !!!
ReGIERung gegen die Frauen – Frauen gegen die ReGIERung und deren patriarchales, frauenfeindliches, rassistisches, kapitalistisches, neoliberales System frauenstreikt.noblogs.org (→ es gibt viele Möglichkeiten zu streiken)
→ Streiksymbol sind lila Tücher

Feminismus & Krawall am WFT 8. März 2019 in Linz ab 16h beim AEC www.feminismus-krawall.at

* www.fc-gloria.at steht für die Wahrnehmung der künstlerischen, wirtschaftlichen, rechtlichen, sozialen und politischen Interessen von Frauen in der österreichischen Filmbranche.